E‑Autos laden die Norderney‑Fähre
Mit dem Start des Praxisbetriebs einer neu entwickelten Ladesäule hat Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies ein bundesweit einzigartiges Energieprojekt eröffnet: Parkende Elektroautos dienen künftig als Stromspeicher für den vollelektrischen Katamaran Frisia E‑1, die erste emissionsfreie Seefähre unter deutscher Flagge.
Gemeinsam mit Umweltminister Christian Meyer, Vertretern der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, dem Volkswagen Werk Emden sowie der Hochschule Osnabrück nahm die Reederei Norden‑Frisia den Prototyp der bidirektionalen Ladesäule in Norddeich offiziell in Betrieb. Das System nutzt die Batterien von E‑Autos auf den solarüberdachten Parkplätzen der Reederei, um überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und für die Beladung des Schiffes bereitzustellen.
Ministerpräsident Lies sprach von „Energiewende zum Anfassen“ und hob die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft hervor. Umweltminister Meyer betonte die Bedeutung des Projekts für den Klimaschutz: Am Weltnaturerbe Wattenmeer entstehe ein geschlossener Kreislauf aus Sonnenstrom, Elektroautos und emissionsfreier Schifffahrt.
Für die Erprobung stellt Volkswagen ein ID.7‑Modell bereit, das speziell für das bidirektionale Laden ausgestattet wurde. Die Reederei hat bereits 242 Ladeplätze errichtet, der Ausbau auf 600 ist geplant. Rund 60 Prozent des Fahrstroms des E‑Katamarans sollen künftig aus eigener Solarenergie stammen.
Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt die Hochschule Osnabrück, die bereits 2012 weltweit erste bidirektionale CCS‑Schnellladesäulen entwickelte. Zusätzlich wird erforscht, welche Anreize Urlaubsgäste motivieren könnten, ihre Fahrzeuge als Energiespeicher zur Verfügung zu stellen – etwa durch Ladeguthaben oder vergünstigte Fährüberfahrten.
Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit rund 165.000 Euro gefördert und läuft bis Januar 2027.
